Female Entrepreneurship

Female Entrepreneurship – dass unseren Günderinnen, Alexandra Orth und Lisa Lou Kuhn, dieses Thema ein Anliegen ist, liegt in der Natur der Sache. Auch wenn sie davon absehen, diese Besetzung plakativ vor sich herzutragen, unterstützen sie frauengeführte Unternehmen und Projekte besonders, weshalb in der hier initiierten Interview-Serie ein paar von ihnen vorgestellt werden sollen.

Verschiedenen Gründerinnen aus dem Orbit der Agentur KHOR berichten von ihren Erfahrungen und Biografien; den Anfang macht Aki Hertlein. »Eigentlich stehe ich immer hinter der Kamera, eher selten im Rampenlicht, deswegen fällt mir sowas ein bisschen schwer«, lacht sie, bevor unsere Unterhaltung beginnt Und ja, als Geschäftsführerin der Eventagentur SAFE operiert Aki wirklich eher im Hintergrund, das aber mit außerordentlicher Verve und Strahlkraft. Gemeinsam mit ihren beiden Mitgründern Flo Scheuer und Jens Milkowski setzt sie eine Vielfalt an Produktionen von Konferenzen über Erlebnismarketing bis Shopdesign um.

Im Gespräch erzählt Aki, weshalb ihr oft der »typische Entrepreneur-Spirit« fehlt, dass sie an glückliche Zufälle glaubt, und es als Gewinn empfindet, wenn Frauen und Männer sich gegenseitig ergänzen.

Die Kooperation mit KHOR

Aki, wie kam die Kooperation mit der Agentur KHOR zustande?

Wir kamen zusammen, weil mein Mitgründer Flo Scheuer schon lange mit Lisa Kuhn befreundet ist. Für unseren Kunden Personio war ein Rebranding der Website geplant, sowie ein weiteres, kleines Rebranding für deren Event, die HUG-Konferenz. Dafür fragten wir KHOR an. Die Zusammenarbeit war total super und effizient, innerhalb von zweieinhalb Wochen wurde die Website auf die Straße gebracht und ich bin immer noch mega beeindruckt, wie schnell das alles ging in der Kommunikation. Sich gemeinsam in dieses komplett unbekannte Projekt einzuarbeiten war echt spannend. Bei solchen Produktionen werden oft kleine Brands innerhalb der Brand geschaffen, was Namen, Logo und Visual angeht. Das war in diesem Fall sehr cool, weil bei KHOR direkt ein Verständnis dafür da war, wie es auszusehen hat. Es hat sofort gepasst. Wir sind eine coole Welle miteinander geritten.

Akis persönlicher Werdegang

Wir sprechen ja über deine Gründung miteinander. Was war dein persönlicher Weg, bevor es dazu kam?

Ursprünglich habe ich Medien- und Kommunikationsmanagement studiert und bin zufällig als Werkstudentin bei einem Mode-Online-Startup gelandet. Daraus wurde eine Stelle am Front Desk und ich fing an, das Eventmarketing zu leiten. Wie das bei Startups oft so ist – man kommt schnell in eine leitende Position. Nach drei Jahren als Head of Eventmarketing hatte ich Lust auf etwas Neues. Als Freelancerin weiterzumachen war nicht nur in Bezug auf die unterschiedlichen Kunden cool, für die man Sparringspartner wird, sondern auch wegen der Abwechslung.

Anfangs sagten mir Leute oft, wie unfassbar mutig sie meinen Schritt in die Selbständigkeit finden. Doch für mich hat sich das nie nach Mut angefühlt. Ich musste keinen Berg überwinden oder eine krasse Entscheidung treffen. Tatsächlich war es mehr das Gefühl, es sei einfach logisch ist, so weiterzumachen.

Akis Mantra: Vertrauen auf die Intuition

Ist das nicht auch eine super Voraussetzung für die Eventbranche, wenn man seiner Intuition vertrauen kann, egal, was einem so in den Weg geworfen wird?

Ja, das sehe ich auch so. Das ist für mich auch eine der schönen Seiten der Eventbranche, dass es einerseits nie so kommt wie man es geplant hat, und es andererseits am Ende immer gut geht. Man arbeitet lange gemeinsam auf diesen Moment hin, diesen einen Tag oder diese eine Produktion, und dann fügen sich die Dinge. Das ist eine Art Urvertrauen, das mir dabei hilft, es so zu sehen: dass am Ende alles gut wird.

Gründung als nächster logische Schritt

Wie hat sich dieses Mantra für dich bei der Gründung bewahrheitet?

Auch unsere Gründung war für mich der nächste logische Schritt. Schon in meiner Zeit als Freelancerin wurde ich öfters gefragt, ob ich denn nicht mal gründen wolle, besonders, weil ich viel in der Startup-Szene unterwegs war. Als One-Woman-Show hat es für mich gut funktioniert, ich hatte viel Spaß, deswegen habe ich das lange verneint. Doch dann kam Corona. Ich saß mit Flo und Jens im selben Coworking-Office. In dieser Zeit merkten wir, dass gerade die Kombination aus uns dreien wirklich viel Sinn ergibt. Es war nur konsequent, sich als Team zusammenzutun. Wir komplettieren uns wunderbar und setzen die Projekte entsprechend um, je nachdem was gebraucht wird. Für mich ist es besonders interessant, dass sich durch unsere Dreierkonstellation ganz neue Netzwerke bieten, die man aufmachen kann.

Akis Learning

Kannst du aus dieser glücklichen Fügung ein Learning für dich ziehen?

Früher dachte ich oft, konkrete Vorstellungen und Ziele für meine Karriere haben zu müssen. Dass man das vor allem als Frau braucht, um tatsächlich »erfolgreich« zu sein. Das sage ich jetzt bewusst in Anführungsstrichen, weil Erfolg von jedem anders bemessen wird… Ich bin nicht so der Typ für Fünfjahrespläne, sondern eher für tolle Zufälle, die sich wundersam ergeben und in diesem Moment Sinn machen. Die sich richtig anfühlen.

Akis Erkenntnis

Was ist deine Erkenntnis, nachdem nun ein paar Monate vergangen sind?

Meine Stärke ist, meinem Gefühl zu vertrauen und Chancen als solche zu erkennen. Mich darin wiederzufinden, dass mein Weg eher auf die glücklichen Zufälle baut. Mein Bauchgefühl hat mich schon immer richtig geleitet. Wobei ich aber auch sagen muss, dass mich Leute total beeindrucken, die einen konkreten großen Traum oder ein Ziel haben. Für mich ist gerade das eine coole Kombination, wenn man zusammenarbeitet und verschiedene Herangehensweisen hat. Mich inspirieren Menschen, die eine Richtung für sich gefunden haben und ich kann mich sehr gut begeistern für Leute, die zielstrebig Projekte initiieren. Meine Stärke ist, viel Energie in bestehende Ideen hineinzugeben. Obwohl es vielleicht nicht der eigene Traum ist. Ich kann total gut mitträumen. (lacht)

SAFEs Umsetzung

Wenn es solche Leute wie dich nicht gäbe, die die Visionen anderer verstehen, dann wäre jeder mit seinem Traum ja völlig alleine. Vor allem in der Eventbranche, wo nichts funktioniert, wenn man alleine ist, schon wegen der Manpower und der Technik, die man benötigt. Wie sieht eine Umsetzung bei euch konkret aus?

Das letzte Event fand noch im Livestream statt und wir sind gerade Hals über Kopf damit beschäftigt, uns hybride Ideen auszudenken: Wie kriegt man das hin, dass die Vorteile, die es digital gibt, weiterhin bestehen? Wie bekommen wir aber trotzdem dieses Miteinander und persönliche Begegnungen zurück?

Ganz generell, was mir unglaublich viel Spaß macht: Wahnsinnig verschiedene Leute zusammenzubringen und es zu schaffen, alle Sprachen zu sprechen. Ich liebe Excel-Listen! (lacht) Ordnung ins Chaos zu bringen, und es für jeden so aufzubereiten, dass er oder sie sich abgeholt fühlt. Das Gefühl, dass man mit jedem einzeln in Kontakt war, und gemeinsam bringt man das Gesamtkonzept auf die Straße – das mag ich richtig gern. Da ergänze ich auch die anderen beiden, in der Weise, wie wir uns unterschiedlich organisieren, operativ und kreativ. Es ist super, das an sich selbst festzustellen: dass man eine ganz andere Denkweise hat, als beispielsweise die Männer im Team, und dass das aber gar nichts Schlechtes ist. Sondern dass es wichtig für die Funktionalität ist, unterschiedliche Herangehensweisen zu haben.

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern?

Hast du das Gefühl, dass in der Event- und Kommunikationsbranche Frauen an ihre Parts und Aufgabenstellungen anders herangehen als Männer?

Das finde ich schwer zu sagen. Ich habe viele Produktionen, bei denen ich als Frau tatsächlich alleine bin und die einzige weibliche Rolle habe, was ich superschade finde. Aber auch das Selbstverständnis unterscheidet sich, ich würde mich selbst nicht als »die Gründerin« vorstellen, ich habe mich halt mit zwei Leuten zusammengetan. (lacht) Wenn ich mich mit Leuten vergleiche, die in dieser Gründerrolle so richtig aufgehen, damit tue ich mich immer noch schwer. Bei Männern in meinem Umfeld beobachte ich, dass sie sich mehr in diese Rolle hineinfinden. Oft fehlt mir dieser typische Entrepreneur-Spirit.

Nach der Gründung...?

In vielen Situationen ist ja auch nicht die Gründung das erste Ziel, sondern dass man eben seinen Job so ausführen kann, wie man das möchte, ein Mittel zum Zweck. Man wird einfach Unternehmerin, aber der Job ändert sich nicht wahnsinnig, oder?

Ja, ich bin dankbar, dass mir das passiert ist, aber ich sehe mich immer noch in der gleichen Rolle. Nur dass ich eben diese tolle Agentur dazu habe, die ich mitformen kann. Für mich ist es einfach megacool, dass wir als Organisation etwas bewirken können. Vielleicht langfristig auch Mitarbeiter:innen einstellen zu können und als Arbeitgeberin eine Marke zu gestalten, die für etwas steht und größer ist, als man selbst alleine. Ich bin schon sehr stolz darauf, was wir so zu dritt geschaffen haben.

Danke für das Gespräch, Aki!